Theologie

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The|o|lo|gie [teolo'gi:], die; -, Theologien [teolo'gi:ən]:
wissenschaftliche Lehre von einer als wahr vorausgesetzten [christlichen] Religion, ihrer Offenbarung, Überlieferung und Geschichte:
katholische, evangelische Theologie studieren.

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Theo|lo|gie 〈f. 19; unz.〉 Lehre von der Religion, bes. von der christlichen ● historische \Theologie Kirchengeschichte, Bibelwissenschaft; praktische \Theologie Lehre von den gottesdienstl. Handlungen, von der Seelsorge u. christl. Erziehung; systematische \Theologie Dogmatik [<grch. theos „Gott, Gottheit“ + logos „Lehre, Wort“]

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Theo|lo|gie , die; -, -n [spätlat. theologia < griech. theologi̓a = Lehre von den Göttern, zu: theológos, Theologe]:
wissenschaftliche Lehre von einer als wahr vorausgesetzten [christlichen] Religion, ihrer Offenbarung, Überlieferung u. Geschichte; Glaubenslehre:
katholische, evangelische, islamische, jüdische T. studieren.

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Theologie
 
[spätlateinisch, von griechisch theología »Rede, Lehre von den Göttern«] die, -/...'gi |en, systematisch reflektierende Entfaltung religiöser Glaubensaussagen. Der Begriff Theologie ist erstmals bei Platon bezeugt, für den er Aufdeckung des Wahrheitsgehalts der von allen Abstrusitäten gereinigten religiösen Mythenerzählungen bedeutet. Dagegen nennt Aristoteles die Mythenerzähler selbst Theologen (und unterscheidet sie so von den Philosophen), kennt aber darüber hinaus Theologie auch als philosophische Reflexion der metaphysischen Dimension. Wegen der Rückbezogenheit des Begriffs auf die hellenistische kultisch-mythische Tradition wurde er erst allmählich in den christlichen Sprachgebrauch einbezogen, endgültig wohl erst im 4. und 5. Jahrhundert (Eusebios von Caesarea, Athanasios, Augustinus), der Zeit, in der sich mit der alexandrinischen Schule und der antiochenischen Schule die ersten christlichen Theologenschulen etabliert hatten. Der Begriff Theologie wurde jedoch noch lange Zeit meist spezialisiert gebraucht: als zusammenfassende Bezeichnung der im Rahmen frühchristlicher Lehrbildung (Christologie, Trinität) entstandenen »Lehre von Gott«. Erst mit Beginn der Hochscholastik (etwa ab 1200) wurde er zum Oberbegriff für die wissenschaftliche Beschäftigung mit allen Gegenständen der christlichen Tradition, besonders der Bibel (als historisches und damit wissenschaftlicher Untersuchung zugängliches Zeugnis der Offenbarung Gottes) und den anderen schriftlichen Zeugnissen des Glaubens (»Glaubensurkunden«); Theologie wurde zur »Glaubenswissenschaft« (so z. B. bei Thomas von Aquino). In diesem Sinne wird die Bezeichnung Theologie bis heute benutzt und inzwischen auch für systematische Lehren anderer Religionen (z. B. Theologie des Islam), religiöser Schulen (Theologie der Schule von Chartres, des Sufismus u. a.) oder auch einzelner Autoren oder biblischer Bücher (Theologie Luthers, des Markusevangeliums usw.) verwendet.
 
Theologie und Religionswissenschaft:
 
Die Theologie als Wissenschaft und die Religionswissenschaft beziehen sich grundsätzlich auf denselben Gegenstand: die religiöse Verfasstheit des Menschen sowie die Ausprägung von Religionen in der Geschichte. Während aber die glaubensneutral forschende und wertende Religionswissenschaft die religiöse Wahrheitsfrage und/oder Wahrheitsbehauptung ausklammert beziehungsweise alle Religionen als prinzipiell »gleichwertige« Artikulationen menschlicher Religiosität voraussetzt, geht die Theologie, die immer an eine bestimmte Glaubenstradition gebunden ist, prinzipiell von der nach ihrer Auffassung von Gott beziehungsweise (den) Göttern geoffenbarten »Wahrheit« der eigenen Tradition aus. In ihren konkreten Einzelforschungen können Religionswissenschaft und Theologie durchaus die gleichen wissenschaftlichen Methoden anwenden. Eine den methodisch-kritischen Anforderungen heutiger wissenschaftlicher Tätigkeit genügende Theologie findet sich innerhalb der Religionen dabei nach wie vor v. a. im Christentum.
 
Theologie als Wissenschaft:
 
Die christliche Theologie kann in dreifacher Weise als Wissenschaft verstanden werden: 1) Theologie als methodisch exakte Reflexion und Darlegung des sich auf Jesus gründenden Glaubens an Gott. Hierbei wird (im Glauben) die Wahrheit der christlichen Sache vorausgesetzt und selbst nicht in Zweifel gezogen, sondern lediglich in Auseinandersetzung mit den jeweils gegebenen Wissenschaften (mit »dem Denken«) sich selbst und anderen gegenüber verantwortet (Apologetik, Fundamentaltheologie). Im Altertum, Mittelalter und auch weithin in der Neuzeit (v. a. in der katholischen Theologie) geschah dies in Konfrontation und mit den Mitteln der hellenistischen Philosophien, sodass diese Theologie hellenistisch-metaphysische Theologie ist. Erst mit der »kritischen Wende« der Neuzeit und dem Aufkommen der modernen Wissenschaften entfaltet die Theologie ihre Aussagen in der Auseinandersetzung mit kritischer Philosophie, Natur- und Humanwissenschaften. Dieser Theologie fehlt nach modernem Wissenschaftsverständnis das Kriterium der Voraussetzungslosigkeit; sie wäre demnach zwar in der Anwendung der Methoden, nicht aber als solche wissenschaftlich. Dennoch führte diese Art der Theologie zu einer radikalen systemimmanenten Kritik der Möglichkeit des Redens von Gott. Diese Infragestellung verlagerte sich in den Bereich der Erkenntniskritik, indem im Anschluss an kritische Philosophien die Legitimität von Aussagen über metaempirische Sachverhalte (Metaphysik) bestritten wurde und wird. Die heutige theologische Auseinandersetzung wird wesentlich geprägt von der Aufgabe, die traditionelle metaphysische Theologie so umzuformen, dass sie dem »Ende der Metaphysik« Rechnung trägt. 2) Theologie als historische Wissenschaft: Sie erhebt nicht den Anspruch, Gott zum Gegenstand der Theologie zu machen, sondern die historischen Gestaltformen, die das Reden von Gott im Verlauf der christlichen Geschichte gefunden hat. 3) Theologie als Erfahrungswissenschaft: Ausgangspunkt ist die kritische Erkenntnis, dass alles Reden von Gott, also auch alle Aussagen der christlichen Tradition auf menschlicher religiöser Erfahrung beruhen, die sich im Kontext und in den Sprach- und Handlungsmodellen der je eigenen geschichtlichen Situation ausdrückt, und nur von daher verstanden und weitervermittelt werden können (kontextuelle Theologie, Kontextualisierung). Von anderen Erfahrungswissenschaften unterscheidet sich Theologie dann nur noch darin, dass in ihr »letzte« beziehungsweise »erste« menschliche Erfahrungen reflektiert werden.
 
Institutionalisierung der theologischen Wissenschaften:
 
Die Theologie wurde bis ins Mittelalter hinein v. a. von Männern betrieben, die aufgrund einer bestimmten geschichtlichen Situation (z. B. die Apologeten zur Zeit repressiver römischer Religionspolitik) und/oder eines kirchlichen Amtes (z. B. Bischöfe) literarisch tätig wurden. Im 3. und 4. Jahrhundert entstanden in den östlichen Zentren Alexandria (Ägypten) und Antiochia (Syrien) theologische Schulen. Mit dem Vordringen des Christentums in den germanischen und keltischen Kulturraum wurde Theologie zunehmend zur Sache von Schulen, in denen neben der Fähigkeit zu lesen und zu schreiben auch Teile des altkirchlichen und antiken Erbes gepflegt wurden (Kathedral- und Klosterschulen); Theologie wurde zur schulischen (»scholastischen«) Vermittlung. Manche dieser Schulen brachten schon im frühen Hochmittelalter (Frühscholastik) eine Reihe bedeutender Theologen hervor. Mit der Wende zur Hochscholastik schlossen sich, zunächst in Paris ab 1200, verschiedene Schulen zu einer »universitas magistrorum et scholarium« (Zunft/Gilde von Lehrern und Schülern) zusammen; in der Folgezeit entstanden an vielen Orten Europas die neuen »Universitäten«.
 
Die Theologie, die wesentlich zur Entstehung der Universität beigetragen hat und einen zentralen Platz in deren Wissenschaftsgefüge besaß, ist jedoch im Verlauf der letzten 200 Jahre wegen ihrer kirchlich-konfessionellen Rückbindung und der kirchlichen Einwirkungsrechte auf die theologischen Fakultäten in ihrer Stellung im Wissenschaftskanon der staatlichen Universitäten umstritten, in vielen Ländern aus der Universität entfernt und an kirchliche Hochschulen (Priesterseminare) verwiesen worden.
 
Die theologischen Disziplinen:
 
In ihren Anfängen kannte die Theologie keine exakte methodische, objektbezogene oder gar personelle Differenzierung in verschiedene Fachgebiete. Erst allmählich schälte sich ein verbindlicher Fächerkomplex heraus, der sich nach drei methodischen Kriterien ordnen lässt (wobei die Grenzen oft fließend sind): 1) historische Theologie: Bibelwissenschaft (Exegese des Alten Testaments und Neuen Testaments), Patristik, Kirchengeschichte, Theologiegeschichte, kanonistische Rechtsgeschichte, Religionsgeschichte; 2) systematische Theologie: Dogmatik, theologische Ethik (Moraltheologie), Fundamentaltheologie; 3) praktische Theologie: Pastoraltheologie, Kirchenrecht, Liturgiewissenschaft, Liturgik, Religionspädagogik, Katechetik, Homiletik, Poimenik (Seelsorgelehre).
 
 
TRE, auf zahlr. Bde. ber. (1977 ff.);
 
Hb. systemat. T., hg. v. C. H. Ratschow, auf 18 Bde. ber. (1979 ff.);
 
Christl. Glaube in moderner Gesellschaft, hg. v. F. Böckle u. a., 38 Bde. (1-31981-88);
 
Ev. Kirchen-Lex. Internat. theolog. Enzykl., 4 Bde. u. 1 Register-Bd. (31986-97);
 W. Pannenberg: Wissenschaftstheorie u. T. (Neuausg. 1987);
 
Grundkurs T., hg. v. G. Strecker, auf 10 Bde. ber. (1989 ff.);
 R. Bernhardt: Der Absolutheitsanspruch des Christentums. Von der Aufklärung bis zur pluralist. Religions-T. (1990);
 
Neues Hb. theolog. Grundbegriffe, hg. v. P. Eicher, 5 Bde. (Neuausg. 1991);
 
Lex. für T. u. Kirche, hg. v. W. Kasper u. a., auf 10 Bde. u. 1 Register-Bd. ber. (31993 ff.);
 J. Ratzinger: Wesen u. Auftrag der T. (1993);
 W. Schmithals: T.-Gesch. des Urchristentums (1994);
 R. Gibellini: Hb. der T. im 20. Jh. (a. d. Ital., 1995);
 A. E. McGrath: Der Weg der christl. T. Eine Einf. (a. d. Engl., 1997);
 
R. in Gesch. u. Gegenwart, hg. v. H. D. Betz u. a., auf 8 Bde. ber. (41998 ff.);
 
Erkenntniswege in der T., hg. v. H. Bogensberger u. a. (1998);
 
Ev. Lex. für T. u. Gemeinde, hg. v. H. Burkhardt u. U. Swarat, 3 Bde. (21998);
 K. Müller: Philosoph. Grundfragen der T.(2000).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Alexandria und Antiochia: Zentren theologischer Bildung
 
Reformbedürftigkeit von Theologie und Kirche
 

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The|o|lo|gie, die; -, -n [spätlat. theologia < griech. theología = Lehre von den Göttern, zu: theológos, ↑Theologe]: wissenschaftliche Lehre von einer als wahr vorausgesetzten [christlichen] Religion, ihrer Offenbarung, Überlieferung u. Geschichte; Glaubenslehre: katholische, evangelische, islamische, jüdische T. studieren; historische, systematische, praktische T. (Disziplinen der christlichen Theologie).

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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